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Willkommen am Steinengraben!

Liebe Menschen, wir wenden uns mit dieser Homepage an die Öffentlichkeit, an Euch.

Wir wollen Euch Einblick hinter die Fassaden des Steinengrabens ermöglichen. Ein erster Versuch dazu scheiterte, da unser „Tag der offenen Tür“ per Anwalt mit der Drohung einer fristlosen Kündigung leider verboten wurde. Es ist uns aber ein Anliegen, dass möglichst viele Menschen die Möglichkeit erhalten, sich eine eigene Meinung zum geplanten Abriss dieses wunderschönen und günstigen Wohn– und Lebensraums zu bilden.

Die Argumente gegen das Abbruch-Begehren dieser letzten, 140 Jahre alten Perlen am Steinengraben, im Besitz der Helvetia Versicherungen sind vielschichtig. Unter der Rubrik "Überblick" findet Ihr unser Argumentarium. Weiter rechts in der Navigation könnt Ihr unter "Stimmen" das Medienecho studieren und Euch unter "Statements" mitteilen. 

Wir wollen hiermit den Diskurs zum Erhalt dieser Häuser eröffnen – und hoffen auf Einsehen der Helvetia Versicherung, auch im Sinne der sozialen Verantwortung gegenüber der heutigen Wohnungsmarktentwicklung Basels.

Die aktuellsten Infos gibt's hier -  spread the word!

 


Der Stand der Dinge

Stellungnahme zu den jüngsten Ereignissen am Steinengraben

 

Ein Urteil löst kein politisches Problem. Nach dem Bundesgerichtsentscheid und der sogenannten Kontaktaufnahme seitens der Helvetia Versicherung (siehe Anhang) sind wir als BewohnerInnen gezwungen, für den unmittelbaren Erhalt des Wohnraumes am Steinengraben vor die Schlichtungsstelle weiterzuziehen.

 

Es wäre auch anders möglich gewesen am Steinengraben, würden wir in einer weniger profitorientierten Welt leben. Wäre die gängige Logik nicht jene, dass Wohnen allgemein als Ware angesehen wird. Wären unsere Bedürfnisse und jene vieler anderer selbst von Aufwertung und Verdrängung Betroffener nicht nur gehört und “verstanden” worden, sondern politisch aufgenommen und umgesetzt. Es hätte ein starkes Zeichen sein können, für eine soziale Wohnpolitik, für ein solidarisches Stadtwohnen, für die Bedürfnisse von vielen, statt für die Profitinteressen von wenigen zahlungskräftigen Unternehmen. Obwohl das Bauvorhaben nach heutigem Rechtsstand unzulässig ist, hat die Helvetia auf juristischem Weg den Abriss der Häuser erstritten. Dies trotz einer breiten Akzeptanz der Öffentlichkeit für unsere Anliegen, welche in der Anpassung des WRFG und den vier angenommenen Wohninitiativen deutlich wurde. Hätte, hätte Fahrradkette. Am Ende dieses abstrakten juristischen Weges und nach Jahren von bewegendem aktivistischen Engagement, müssen wir trotz der politischen Bestätigung in unserer Sache ein absurdes Urteil hinnehmen. Was bleibt ist ein Gefühl der Ohnmacht und Frustration gegenüber der Macht des Kapitals in dieser Stadt und der Eindruck, dass hier etwas gewaltig schief läuft! Wir sehen unseren gemeinsames Wohnen stärker bedroht als je zuvor.

 

Die rein wirtschaftlichen Interessen einer gigantischen Versicherungsgesellschaft und ein juristisches Schlupfloch sollten nicht höher gewichtet werden als die Anliegen und Wünsche von uns Bewohnenden, die diesen Ort seit Jahren prägen und lieben. Wer nachdenkt und die Argumente der Helvetia mit menschenwürdiger Logik betrachtet, erkennt in den abstrakten Floskeln hinter dem Bauprojekt wie Standortvorteile und Optimierung interner Abläufe, dass es dabei nur darum geht, Millionen einzubetonieren. Vor dem Hintergrund eines bereits entstehenden Helvetia Campus an der St. Alban-Anlage und dem hohen Leerstand an Büroflächen in Basel ist das verbitterte Festhalten der Helvetia am Neubauprojekt am Steinengraben umso fragwürdiger. Von Seiten der Helvetia sind die finanziellen Mittel für alternative Geschäftsstandorte vorhanden. Bei uns MieterInnen gestaltet sich diese Suche nach Alternativen schwieriger. Wenn man von der Paragraphenreiterei absieht und sich in Anbetracht der herrschenden Wohnungsknappheit in Basel vergegenwärtigt, was am Steinengraben vernichtet und im Gegenzug geschaffen werden soll, ist dies eine Entwicklung die wir nicht akzeptieren können und wollen. Der Steinengraben als Lebensraum ist etwas einzigartiges. Der Büroklotz der Helvetia einer mehr, um nicht zu sagen, einer zu viel.

 

Wir haben den Wunsch und das Bedürfnis, gemeinschaftlich, selbstbestimmt und zu bezahlbaren Konditionen mitten in dieser Stadt zu wohnen. Der Steinengraben bietet ein Zuhause für ein vielfältige Bewohnerschaft, jung und alt, von Zugezogenen bis zu Familien, die seit 20 Jahren hier leben, allesamt mit begrenzten finanziellen Möglichkeiten. Nichtsdestotrotz engagieren sich viele von uns in gemeinnützigen Projekten und alle zusammen haben wir einen intensiven und kräfteraubenden Kampf gegen die Helvetia Versicherung geführt und dabei eine breite Kampagne aufgebaut. Auch mit der Absicht, sich für die zahlreichen anderen von Verdrängung Betroffenen in dieser Stadt einzusetzen. Leider bot uns die Helvetia nie die Möglichkeit, die Auseinandersetzung um die Zukunft der Häuser als Dialog auf Augenhöhe zu führen bzw. überhaupt mit uns ausserhalb des juristischen Rahmens zu kommunizieren. Diese ablehnende Strategie der Versicherung und das passive Verhalten der Stadt ist für uns BewohnerInnen neben der akuten Bedrohung unseres Wohnraumes zu einer Belastung geworden. Die nach dem Bundesgerichtsentscheid öffentlich angekündigte Kontaktaufnahme der Helvetia, in der sie sie sich gesprächs- und hilfsbereit geben, entpuppte sich als frostiges Anwaltsschreiben (Siehe Anhang). Darin werden wir nicht zum Gespräch aufgefordert, sondern vor vollendete Tatsachen gestellt, sowie mit einem Auszugsdatum konfrontiert, das einen Monat vor Ablauf der vertraglich geregelten Kündigungsfrist liegt! Klar wird hier, dass die Helvetia eine verlogene Image-Politik betreibt. Zwischen der öffentlichen Selbstdarstellung des Unternehmens und dem Inhalt der tatsächlichen Kontaktaufnahme mit uns BewohnerInnen liegen Welten. Forderungen eines Anwalts sind keine Gesprächsbereitschaft!

 

Wir fordern nach wie vor, dass die Häuserzeile nicht der Abrissbirne zum Opfer fällt. Wir wollen selbstbestimmt am Steinengraben leben. Dies durch eine Übernahme der Häuser und einer kollektiven Verwaltung als gemeinnützige Genossenschaft, zu dem auch die aktuelle Kampagne der Basler Genossenschaften Anstoss gibt. 2 Des Weiteren blieb eine faire Offerte einer Stiftung zur Übernahme der Häuserzeile unbeantwortet. Es gäbe also mehrere Alternativen zum Neubauprojekt der Helvetia. Die Regierung Basels muss sich aktiv und vermittelnd für die oben genannten Möglichkeiten einsetzen, indem sie den neuen Verfassungsartikel ‘Recht auf Wohnen’ und ihre versprochenen Bemühungen zur Schaffung von bezahlbaren Wohnungen geltend macht. Aber da all dies bis jetzt nicht geschieht, und wir die haltlose Forderung der Helvetia, am 3. Dezember zu verschwinden nicht akzeptieren wollen und können, ziehen wir nun weiter vor die Schlichtungsstelle. Leider können wir uns nur auf diesem Weg noch einmal für den Erhalt der Häuser einsetzen und somit zum wohnpolitischen Diskurs beitragen. Wir wollen, dass bezahlbarer Wohnraum hier und überall in Basel für dessen BewohnerInnen erhalten bleibt und geschaffen wird!

 

Auf einen heissen Winter!
Steinengraben bleibt.

 

 

Seit unserem letzten Newsletter ist rund um den Steinengraben wieder einiges passiert, worüber wir euch gerne informieren und dabei auch unsere Sicht der Dinge darlegen möchten. Zuerst die wichtigsten Neuigkeiten in Kurzform, danach folgt zu jedem Punkt eine kurze Stellungsnahme und am Ende ein Ausblick auf einige Wohnpolitische Ereignisse der kommenden Wochen. :

 

1.      Verhandlung vor Bundesgericht

2.      Änderung des Wohnraumfördergesetzes (WRFG) durch den Grossen Rat

3.      Antwort der Regierung auf unsere Petition

 

1. Verhandlung vor Bundesgericht

Nach unserer Niederlage vor dem Appelationsgericht haben wir uns zögerlich entschlossen unseren Fall gemeinsam mit dem Mieterverband doch noch vor das Bundesgericht und damit die letzte Instanz weiter zu ziehen. Obwohl unsere Erfolgsaussichten immer noch gering sind, konnten wir bereits einige Erfolge verbuchen. Das Bundesgericht ist auf unsere Beschwerde eingetreten und hat ein ordentliches Verfahren eröffnet. Dies ist aus mehreren Gründen positiv für uns. Einerseits verzögert sich ein möglicher Abriss durch die aufschiebende Wirkung. Andererseits anerkennt das Gericht mit diesem Entscheid auch unsere Beschwerde als berechtigt an, da sich das Bundesgericht nur bei Hinweise auf gröbere Rechtsverstöße in kantonales Recht einmischt. Dieser Umstand sowie die bereits erwähnte Änderung des WRFG zeigen (siehe Punkt 2), dass unsere Kritik von Beginn an berechtigt war. Dies trotz verschiedenster öffentlichen Diffamierungsversuchen durch die Helvetia, die uns wiederholt als undankbare Zwischennutzer darstellen wollte und dadurch versucht hat, von unseren berechtigten weiterreichenden Forderungen nach einem solidarischen Stadtleben abzulenken.

 

Trotz allem bleiben unsere Chancen, wie gesagt, eher gering und es ist in wenigen Wochen mit einem Entscheid zu rechnen. Im schlimmsten Fall droht uns bereits im Juni die Kündigung, wie es danach für uns weitergeht können wir noch nicht sagen. Wir werden allerdings in jedem Fall auf eure Unterstützung angewiesen sein und euch auf dem Laufenden halten.

 

2. Änderung des Wohnraumfördergesetzes (WRFG) durch den Grossen Rat

Im Februar hat die Regierung nach Vorstössen aus dem Grossen Rat die Berechnungspraxis im Gesetz verändert. Neu dürfen nur noch jene Bereiche zum Wohnraum gezählt werden, welche auch tatsächlich bewohnt werden. Damit dürfen Parkplätze oder Liftschächte – wie in unserem Fall – nicht mehr als Wohnraum bezeichnet werden. Das Bauvorhaben der Helvetia wurde nun also de facto von der Basler Regierung nachträglich für unsinnig erklärt. Dies ist sicherlich ein kleiner Teilerfolg, mehr allerdings nicht. Es scheint als wäre die Politik durch unseren Fall in der Wohnraumpolitik sensibilisierter als auch schon, die Grundproblematik des neuen Gesetzes bleibt aber bestehen. Immer noch können günstige Mietwohnungen durch teure Miet- oder gar Eigentumswohnungen ersetzt werden. Wir fordern deshalb, dass das Gesetz weiter angepasst werden muss und Wohnraum in Zukunft nach einem Abriss nicht nur quantitativ – also in der Fläche – sondern auch qualitativ – also im selben Preissegment – ersetzt werden müssen. Wir fordern deshalb vor Bundesgericht, dass dieser Gesetzesänderung Rechnung zu tragen ist und die Häuser erhalten bleiben müssen. Schliesslich wurde das Gesetz aufgrund der willkürlichen Begründung unseres Falles geändert. Doch unsere Kritik geht noch weiter: Wir wollen unsere Probleme nicht von der Politik lösen lassen sondern selber angehen können. Wir wollen unsere Wohn- und Lebensräume selber verwalten und dadurch ein selbstbestimmtes, gemeinschaftliches wohnen pflegen. Die Häuser denen die drin wohnen!

 

3. Antwort der Regierung auf unsere Petition

Die Regierung hat im Februar einen Beschluss zu unserer Petition gefällt, die wir im September 2016 mit über 3000 Unterschriften eingereicht haben. Sie ist auf unsere Forderungen eingegangen und hat der Helvetia tatsächlich eine Kaufanfrage für die Häuser unterbreitet. Die Helvetia ist erwartungsgemäss nicht auf das Angebot eingegangen. Die Versicherung lässt es sich aber offen nach dem Gerichtsurteil doch noch auf das Angebot zurückzukommen. Ein möglicher Kauf ist damit also noch nicht ganz vom Tisch. Wir würden allerdings nur auf diese Option eingehen, wenn die Häuser nach der Übernahme durch Immobilien Basel-Stadt als Genossenschaft an die Bewohner*Innen übergehen. Unser Ziel war es von Anfang an die Häuser nicht nur zu erhalten sondern dauerhaft der Immobilienspekulation zu entziehen. Dies wäre momentan durch eine Übernahme der Immobilien Basel-Stadt nicht abschliessend gewährleistet.

 

Ausblick

Gerichtstermin: Wir werden in den nächsten Wochen, wahrscheinlich noch im April, eine Entscheidung vom Bundesgericht erhalten. Wie es danach weitergeht ist unklar und auch vom Resultat abhängig. Klar ist jedoch, dass wir nicht einfach so aufgeben werden. Dafür brauchen wir eure Unterstützung mehr denn je - da wir bereits ab Juni jederzeit mit einer Kündigung rechnen müssen. Wir werden euch informieren sobald wir selber mehr wissen.

Abstimmungen im Juni:

Im Juni werden in Basel gleich vier wichtige Vorlagen zur Wohnpolitik zur Abstimmung kommen. Dies ist insofern positiv, da durch den Abstimmungskampf die öffentliche Wahrnehmung auf die gesamte Wohnraumthematik gerichtet sein wird. 

 

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​Liebe Unterstützer*innen des Steinengrabens,

im Folgenden möchten wir sie auf den neusten Stand rund um den Mietstreit für die Erhaltung der Häuser und des gemeinschaftlichen Wohnens am Steinengraben bringen.
Im Anhang finden sie dann, zusätzlich noch ein ausführlicheres Statement zum Urteil des Appellationsgerichts und weitere wichtige Informationen. Gutes Lesen und angeregtes Vertiefen.

 

Stellungnahme der Bewohner*innen zum Urteil des Appellationsgerichts

Ende Oktober erhielten wir das schriftliche Urteil des Appellationsgerichts [komplett im Anhang]. Die Lektüre ist ernüchternd. Fünf Jahre kämpfen wir nun für den Erhalt der letzten altehrwürdigen Häuser am Steinengraben und den Schutz unserer kleinen Oase im Hinterhof. Das Thema wurde in den Jahren grösser als die vier Häuser und die Wohnraumproblematik verschärfte sich zusehends. Trotzdem ignoriert das Appellationsgericht nun den Willen von über 4000 Basler*innen welche die Petition für den Schutz der Häuser 2016 unterzeichneten. Und gibt einen der Eckpfeiler rund um die Diskussion ‚für mehr bezahlbaren und gemeinschaftlichen Wohnraum‘ zum Abschuss frei. Dieser Entscheid ist politisch, einzig und alleine Investorenfreundlich und gegen den gesunden Menschenverstand. Wenn sich eine solche Auslegung des neuen Wohnraumfördergesetzes als gängige Praxis etabliert, hat das schädliche Auswirkungen für die ganze Stadt. Deshalb haben wir uns in Absprache mit dem Basler Mieterverband für den Weiterzug ans Bundesgericht entschieden.

 

Petition: Für den Erhalt der Mattenstrasse 74/76!

Auch an der Mattenstrasse kämpfen die Bewohner*innen für den Erhalt des noch bezahlbaren und äusserst lebenswerten Wohnraumes. Es ist eine Schande, dass ausgerechnet der christliche Vinzenzverein kompromisslos alle verbleibenden Mieter*innen vor die Türe stellen will. Die Petition fordert, dass das historisch bedeutsame Häuserensemble an der Mattenstrasse 74/76 in das Denkmalverzeichnis eingetragen und die Ortsbild-Schutzzone in der nächsten Planrevision auf das Vorderhaus der Mattentrasse 76 ausgedehnt wird. Der unnötige Abriss würde dadurch verunmöglicht.

Petition online unterzeichnen:
https://www.openpetition.eu/ch/petition/online/fuer-den-erhalt-der-mattenstrasse-74-76

Weitere Infos:
www.mattenstrasse-bleibt.ch

 

Kommende Initiativen: ‚Recht auf Wohnen‘ & Wohnschutz-Initiative

Auch auf dem politischen Weg läuft was! Kommenden Sommer werden wahrscheinlich zwei Initiativen zur Abstimmung kommen. Die ‚Recht auf Wohnen‘ Initiative wurde von der Regierung ohne Gegenvorschlag durchgewunken. Bei der Wohnschutzinitiative ist noch unklar, ob es einen Gegenvorschlag der Regierung geben wird, oder ob auch diese Initiative direkt vors Stimmvolk kommen wird.

Auf jeden Fall bieten auch diese Vorstösse die Möglichkeit den Druck auf dem Wohnungsmarkt, für finanziell Benachteiligte oder generell marginalisierte Personen, zumindest zu lindern. Wohnen ist ein Menschenrecht! Auch wenn die Regierung anscheinend diese Probleme auf die leichte Schulter nimmt, und den Initiativen keine wirklichen Chancen zurechnet, ist es immer noch an uns allen, diese äusserst wichtigen politischen Vorstösse zu unterstützen.

Wir bedanken uns für ihre Unterstützung und ihr Interesse und wünschen ihnen eine kündigungs- und abrissfreie Adventszeit.

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Zählen in Basel Parkplätze so viel wie Kinderzimmer ? 

Seit einigen Jahren kämpfen wir für eine lebensfreundliche Entscheidungsgrundlage für Basels Wohn(t)räume.

Am kommenden 25. September entscheidet das Appellationsgericht über den Fall "Steinengraben". 

Das Gerichtsurteil wird uns alle betreffen, denn es ist die Erstinterpretation des liberalisierten Wohnraumfördergesetz (2014, 1. Juli in Kraft getreten). Somit wird es als Referenz für alle weiteren Gerichtsfälle benutzt. 

Es wird die Weichen für die künftige Wohnraumpolitik stellen. Jetzt gilt's ernst... 

Die aktuellsten Infos gibt's hier -  spread the word!

Basel wach uff, bevors zspoot isch...
... gemeinsam einen Stein in's Rollen bringen

 

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Newsletter #008

Liebe UnterstützerInnen des Wohnraumes am Steinengraben. Nach langer Funkstille, für die wir uns an dieser Stelle entschuldigen möchten, ist es an der Zeit euch über den Stand der Dinge zu informieren.

 

Unzureichender Entscheid der Rekurskommission

Am 12. Oktober erhielten wir den Entscheid betreffend unseres Rekurses.

 

Das Bauvorhaben der Helvetia sei nicht rechtmässig, allerdings nur weil den Ersatzpflanzungen zu wenig 
Erdreich für eine angemessene Entwicklung zur Verfügung stehen würde. Die Tiefgarage sei deshalb zu „redimensionieren“.

In allen anderen Punkten, also betreffend dem Wohnraumfördergesetz, Denkmal- sowie Landschaftsschutz gab die Kommission dem Begehren der Helvetia nach.

Ein Beispiel:

Das WRFG (=Wohnraumfördergesetz), wird in unserem Fall „im Sinne des Gesetzgebers“ ausgelegt.

„Der Vollständigkeit halber und mit Blick auf weitere Argumente der Rekurrierenden ist zu erwähnen, dass das WRFG in Artikel 7
Abs. 3 lit. A neben der quantitativen Anforderungen keine weiteren Voraussetzungen an den zu schaffenden Wohnraum stellt. 
Weder muss besonders preisgünstiger, noch familiengerechter Wohnraum geschaffen werden […]“

(Punkt 22. des Rekursentscheides)

 

Nun haben wir die paradoxe Situation, dass keine der drei involvierten Parteien (Mieterschaft/ Mieterinnen- und Mieterverband BS/ Helvetia) den Entscheid anerkennt und somit alle Rekurs gegen diesen Entscheid einreichen. Man kann verkünden, dass der Fall Steinengraben somit vor dem Verwaltungsgericht verhandelt werden wird.

 

Der Teilerfolg freut uns natürlich, trotzdem sind wir enttäuscht, wie einseitig und eben nicht unabhängig einige Kommissionen beurteilen und werten. Gerade die neu geschaffene Stelle für die Prüfung des Wohnraumfördergesetzes spielt einzig und allein dem Grosskonzern Helvetia in die Karten. Wir, die über das neue Gesetz abgestimmt haben, können also sicherlich nicht von der Wahrung unserer Interessen sprechen wenn so mit unserem Wohnraum umgegangen wird. Solche Entscheidungen sollten auf politischer Ebene zu denken geben!

 

Rausschmiss am Steinengraben 36

Nach gescheiterten Verhandlungen zwischen der Mietpartei des Hauses Steinengraben 36 und der Helvetia mussten die Mieter am 30.11.2016 ihr geliebtes Zuhause verlassen. So endet eine mehrere Generationen dauernde Phase, in der dieses Haus als Familienwohnsitz gedient hat. Die Helvetia stellt langjährige Mieter auf die Strasse, obwohl klar ist, dass die Häuser weiterhin stehen werden. Sowas ist einfach nur taktlos!

 

Am Morgen vom 1. Dezember, noch während der sehr emotionalen Schlüsselübergabe, begannen die Handwerker mit ihrer Arbeit. Es wurden Türen und Fenster verbarrikadiert, Heizöl abgepumpt, Heizungen und andere Grundinstallationen zurückgebaut und Sichtschutzwände von innen montiert. Somit hat sich die öffentliche Verlautbarung (Tageswoche vom 27.10.16: die Helvetia spricht von ..einer weiterführenden Nutzung in geeigneter Form) als nicht der Wahrheit entsprechend erwiesen. Anscheinend weiss die Helvetia von der akuten Wohnungsknappheit in Basel und fürchtet sich vor einer Besetzung. Anstatt uns, die seit vielen Jahren als funktionierender Besetzungsschutz inklusive Mietzinsertag dienen, die Häuser zu überlassen, wird lieber zugemauert.

Die Tgeswoche hat über den jetzigen Leerstand einen Artikel verfasst:

http://www.tageswoche.ch/de/2016_50/basel/737075/Steinengraben-Helvetia-bevorzugt-ein-Geisterhaus.htm)

 

Solidarität mit den BewohnerInnen der Mülhauserstrasse 36

Abseits des Steinengraben ziehen andere Gewitter auf. An der Mülhauserstrasse will die Besitzerin (Pensionskasse BS) und ihre Verwaltung (Immobilien Basel-Stadt) langjährige Kantonsangestellte und heutige Rentenbezüger der PKBS (einige sind bereits über 90 jährig) auf die Strasse stellen.

Der Grund: eine geplanten Luxussanierung der Liegenschaft.

Die BewohnerInnen setzen sich zur Wehr und haben u.a. eine Petition lanciert welche sie am Mittwoch dem 14.12.2016 einreichen werden. Das ganze wird lanciert mit einem Marsch vom Totentanz zum Marktplatz.

Treffpunkt:

14.Dezember 2016 | 11.30 Uhr | Totentanz

Bis dahin wird jede Unterschrift benötigt.

 

Wir möchten Euch allen einen guten Jahresabschluss wünschen und hoffen, dass wir im nächsten Jahr weiterhin auf Eure Unterstütung zählen können. Danke sagen möchten wir bereits jetzt! Unseren, nun leider vertriebenen Nachbarn, wünschen wir eine erholsame und ruhige Zeit an Ihrem neuen Wohnort.

Die Bewohner_innen des Steinengraben

 

 

Keine Weihnachten am Steinengraben 36

"Seit vier Generationen ist es bei uns die Tradition das Weihnachtsfest am Steinengraben zu zelebrieren. Die ganze Familie versammelte sich im 1. Stock im Salon, in dem sich jedes Jahr ein prachtvoller, bis zur Decke ragender Weihnachtsbaum befand. Es wurde gegessen, gefeiert, gelacht und einfach eine gute Zeit zusammen verbracht. Die Jahre vergingen und wir wussten, dass es das letzte Weihnachtsfest sein wird, an dem mein geliebter Grossvater noch bei uns sein wird. Die Cousinen und Cousins versammelten sich in dem Zimmer, in dem mein Grossvater seinen ersten, wie auch seinen letzten Atemzug gemacht hat. Wir standen im Kreis um sein Krankenbett mit unseren Blockflöten und gaben unser Bestes, ihm die traditionellen Weihnachtslieder vor zu spielen. Auch wenn er nicht mehr richtig reagierte, wussten wir alle, dass er dies sehr genoss. Nach dem Tod meines Grossvaters verbrachten wir das Weihnachtsfest nicht mehr im schönen Salon, sondern in unseren Räumlichkeiten im 3. Stock. Auch im ausgebauten Estrich war viel Platz vorhanden, doch die Feste waren nicht mehr die selben, da sich nicht mehr die ganze Familie versammelte. Nur meine Grossmutter, meine Eltern, mein Bruder und ich feierten das Fest zusammen. Ein paar Jahre darauf war dann meine Grossmutter leider auch nicht mehr unter uns, doch für uns war klar, dass diese Feste trotzdem am Steinengraben stattfinden werden. Als es dann soweit kam, dass mein Vater das Haus an die National Suisse verkaufen musste und ein neues Zuhause fand, durfte ich als 4. Generation zur Miete in die Wohnung, in der ich meine ganze Kindheit und Jugend verbrachte. Klar war, dass die Weihnachtsfeste weiterhin bei uns stattfinden werden. Nun ist das Ende des Jahres 2016 bald erreicht und die Geschichte unserer Familie am Steinengraben 36 wird zu Ende geschrieben. Ich bin gezwungen mein Urgrosseltern-, Grosseltern- und Elternhaus zu verlassen. Diese Weihnacht wird für mich sehr traurig, da ich weiss, dass es das erste Jahr ist, an dem kein Fest in dem Haus gefeiert wird."

 – Aline Burckhardt, ehemalige Bewohnerin


News

30.11.2015

 

Offener Brief an die Helvetia Versicherungen

Sehr geehrte Damen und Herren

Das Netzwerk Wohnungsnot ist ein loser Zusammenschluss sozialer Einrichtungen, die bei aller Verschiedenheit der Tätigkeitsfelder und der Trägerschaften Eines gemeinsam haben: Sie sind alle in ihrer täglichen Arbeit direkt mit der Problematik Wohnungs- und Mietzinsnot in Basel konfrontiert.

Wir beraten und unterstützen Menschen, die aufgrund sehr unterschiedlicher Ursachen keine für sie bezahlbare Wohnung finden. Das sind schon länger nicht mehr ausschliesslich sogenannte Randständige, sondern immer mehr auch Menschen aus dem Mittelstand. Diese gemeinsame Betroffenheit hat uns zum ungewöhnlichen Schritt bewogen, mit einem offenen Brief an Sie zu gelangen. Denn die Helvetia Versicherungen hätten es in der Hand, einen Beitrag zur Linderung der akuten Wohnungsnot in Basel zu leisten.

Wir sprechen von den Häusern am Steinengraben 30 bis 36, die in Ihrem Besitz sind und nun einem Bürokomplex mit einzelnen teuren Wohnungen weichen sollen. Die Häuser sind in einem guten Zustand und vor allem: Die Mieten sind günstig. Jede günstige Wohnung, die im Raum Basel verschwindet, verschärft die Wohnungsnot. Denn es sind vor allem Haushalte mit geringem Einkommen, für die bezahlbarer Wohnraum fehlt. Die Situation ist alarmierend. Beim Verein für Gassenarbeit Schwarzer Peter sind rund 350 Personen ohne festen Wohnsitz gemeldet. Es ist uns nur noch selten möglich, für die Menschen, die wir beraten und betreuen, geeignete Wohnungen zu finden. Betroffen sind Jugendliche und Betagte, Alleinstehende, Familien mit Kindern und Alleinerziehende. So konnten zum Beispiel bei IG Wohnen, Soziale Wohnungsvermittlung, vor 2013 ca. 50% der Personen eine Wohnung vermittelt werden. Mittlerweile sind es nur noch 35%.

Vor diesem Hintergrund appellieren wir an Sie, auf ihren Entscheid, die Häuser am Steinengraben abzureissen, zurückzukommen. An Büroräumlichkeiten herrscht in Basel kein Mangel, sehr wohl aber an günstigem Wohnraum. Werden die Häuser am Steinengraben abgerissen, verschwinden günstige Wohnungen unwiderruflich und die Situation auf dem Wohnungsmarkt verschärft sich weiter. Die Chancen für jene Menschen, die mit unserer Unterstützung eine Wohnung suchen, sinken spürbar.

 

Wir sind gerne bereit, Ihnen in einem Gespräch die Problematik aus erster Hand zu schildern. Umgekehrt hoffen wir auf Ihre Bereitschaft, zusammen mit den jetzigen Bewohnerinnen und Bewohnern Alternativen zu einem Abriss der Häuser am Steinengraben zu prüfen. Denn ein Erhalt dieser günstigen Wohnungen wäre für die Wohnsituation in Basel enorm wichtig. Zudem könnten Sie damit einen kleinen Beitrag zur Gesundheitsvorsorge leisten. Denn Wohnungsnot macht Menschen krank.

Näheres zu den Häusern und den Anliegen der BewohnerInnen finden Sie unter www.steinengraben.ch

Mit freundlichen Grüssen
Für Das Netzwerk Wohnungsnot:
Kontakt: Schwarzer Peter – Verein für Gassenarbeit, Michel Steiner 

IG Wohnen, Anne Plattner
Genossenschaft Mietshäuser Syndikat,
BastA!, Tonja Zürcher
Heilsarmee Wohnen Basel, Thomas Baumgartner, Kristina Caceres Jugendberatung JuAr Basel, Christoph Walter
Caritas beider Basel, Bettina Zeugin